Deutsche Einheit in Oberhavel Uwe Feiler will Amt des Ostbeauftragten der Bundesregierung abschaffen

Foto @Alexander Habenicht
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Die Ostdeutschen seien selbstbewusst, die Aufgaben des Ostbeauftragten selbst zu erledigen, sagte Uwe Feiler. Stattdessen benötige die Bundesregierung einen ganz anderen Beauftragten.
Kürzlich hatte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Marco Wanderwitz (CDU), die Meinung vertreten, dass ein Teil der Ostdeutschen noch nicht in der Demokratie angekommen sei. Dabei bezog er sich auch auf die hohe Anfälligkeit, die AfD zu wählen. Dafür bekam Wanderwitz viel Schelte und bekommt sie immer noch. So auch am Sonnabend beim 15. Kremmener Gespräch, zu dem der CDU-Kreisverband Oberhavel in den Spargelhof nach Kremmen eingeladen hatte.

Ingo Dubinski trifft auf Politik

Eigentlich sollte dort unter dem Motto „Ost trifft West“ in lockerer Atmosphäre über den Stand der Wiedervereinigung geplaudert werden. Doch als der Ex-Fernsehmoderator Ingo Dubinski die Äußerung des Ostbeauftragten kritisierte, sprang ihm Uwe Feiler (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Oberhavel und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, bei: „Wir brauchen keinen Ostbeauftragten mehr. Wir können so selbstbewusst sein, dass wir das selbst machen können.“ Statt eines Ostbeauftragten benötige die Entwicklung der Gesellschaft in Deutschland einen ganz andere Job: „einen Beauftragten für das Auseinanderdriften von Stadt und Land.“

Auf CDU-Abend Werbung für SPD-Kanzlerkandidaten

Widerspruch erzeugte Feiler damit in der Gesprächsrunde nicht. Auch nicht bei Karl-Heinz Schröter­ (SPD), dem ehemaligen Landrat von Oberhavel. Dieser nutzte die Gunst der Stunde (oder besser des Abends), eine kleine Spitze gegen Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, zu fahren und deren Herausforderer von der SPD inmitten einer großen CDU-Gästeschar zu loben: „Olaf Scholz ist ein ganz passabler Kanzlerkandidat. Da können sich die anderen warm anziehen.“
Abgesehen von diesen Ausflügen in die politische Auseinandersetzung verlief der Abend in eher plaudrigem Ton und führte zurück in die Nacht der Nächte: der Mauerfall am 9. November 1989. Da wurde mit dem Wartburg zu Onkel Manfred nach Moabit gefahren (Ingo Dubinski), der Bänderriss verflucht, der das Dabeisein verhinderte (Uwe Feiler), oder einfach durchgeschlafen und alles verpasst (Karl-Heinz Schröter). Vielleicht hat der damalige DDR-Fernsehmoderator von „Elf 99“ damals gedacht, nun seinem Jugendtraum näherzukommen. „Mit 16 Jahren wollte ich Diplomat werden: Monaco, Ferrari, schöne Frauen“, erinnerte sich Ingo Dubinski. Allerdings hatte die DDR anderes vor, als ihre Diplomaten mit schnellen Autos auszustatten. „Jede Botschaft ist eine Hochburg der Geheimdienste“, wurde dem jungen Mann gesagt. Üben durfte er dafür als IM Diplomat, indem er bei der NVA Berichte über einen Freund schrieb. „Ich wollte ihn nicht verraten. Ich habe dem Freund nie wehgetan und habe immer in den Spiegel schauen können“, sagt Dubinski gut drei Jahrzehnte nach dem IM-Intermezzo. Statt im Dienst des Staates DDR stand er wenige Jahre später in dem der ARD und moderierte Unterhaltungssendungen wie „Ein Platz an der Sonne“ und „Mit Dubinski reisen“.
Vielleicht brauchten gerade die Ostdeutschen in den 1990er-Jahren diese TV-Ablenkung vom oft schwierigen Alltag. Denn nach dem Mauerfall-Jubel und dem Einheits-Feuerwerk „haben sich menschliche Dramen abgespielt“, brachte Ex-Landrat Schröter die großen Probleme jener Zeit in Erinnerung: Massen-Arbeitslosigkeit und Verlust von Immobilien. „Den Grundsatz Rückgabe vor Entschädigung halte ich bis heute für falsch. Das hat auch im Umland von Berlin für große Verunsicherung gesorgt“, kritisierte Schröter die damalige Entscheidung der CDU/FDP-Regierung.

Kritik an Wende-Glücksrittern

Mit Kritik an den Folgen der Einheit trafen an diesem Abend Ost und West durchaus zusammen. Der aus Niedersachsen stammende Feiler, der Anfang der 1990er-Jahre als Finanzbeamter nach Genthin (Sachsen-Anhalt) ging, erinnerte sich: „Es gab viele Glücksritter, die die schnelle Mark machen wollten.“ Aus diesen Existenzängste hervorrufenden Fehlern müsse gelernt werden. „Deshalb habe ich auch großes Verständnis für die Menschen in der Lausitz, die vom Kohleausstieg betroffen sind.“

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