CDU-Politiker Bommert: Wie ein Stehaufmännchen

Landtagswahl

© Foto: Burkhard Keeve
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Oranienburg (MOZ) Die Enttäuschung ist Frank Bommert noch immer anzumerken. Sein Landesvorsitzender Ingo Senftleben hatte den CDU-Abgeordneten aus Sommerfeld abschieben und auf den aussichtslosen Listenplatz 25 für die Landtagswahl am 1. September setzen wollen. Bommert wäre nur bei einem Sieg des Wahlkreises in den Landtag gekommen.

Bommert jedoch brachte den Landesparteitag am 15. Juni auf seine Seite und sich auf den sehr guten Listenplatz 4. Ingo Senftleben wurde dagegen mit dem nur mäßigen Ergebnis von 73,2 Prozent zum Spitzenkandidaten gekürt. Bommert konnte wie ein Stehaufmännchen triumphieren. Andere in der Partei hätten eben nicht vergessen, was sie an ihm hätten, sagt der Sommerfelder. Die Abfuhr durch den Parteichef hat er dennoch nicht verwunden. "Beste Freunde werden wir sicher nicht mehr", sagt der 58-Jährige über den 44-jährigen Spitzenkandidaten aus Ortrand (Oberspreewald-Lausitz).

Gespräch blieb aus

Senftlebens kurz vor dem Parteitag ausgeheckter Plan: Er wollte mit Frauen und Neueinsteigern punkten. Die Rolle Bommerts als Vertreter der Wirtschaft in der Fraktion sollte die Sparkassenchefin aus Fürstenwalde übernehmen. Leider nur habe Senftleben vorher nicht mal mit ihm gesprochen, bedauert Bommert. "Das erwarte ich aber von einer Führungsperson."

Bommert aktivierte vor dem Parteitag sein Netzwerk. Die Junge Union stand voll hinter ihm, trug auf dem Parteitag in Potsdam "Team-Bommert"-Shirts. Der Sommerfelder sagt, dass er für Verlässlichkeit und Ehrlichkeit stehe. Das sei ihm bei Senftleben zunächst zum Verhängnis geworden, hätte letztlich aber zum persönlichen Erfolg geführt. Denn Bommert warf Senftleben öffentlich vor, dass dieser eine Koalition mit der Linken nicht ausschließt. Als die Umfragewerte der CDU daraufhin einbrachen, sah sich Bommert bestätigt, er wiederholte seine Kritik am Chef.

Die Linke sei für ihn tabu, so lange sie sich nicht von ihrer Vorgängerpartei distanziere, erklärt Bommert. Als Vertreter des Mittelstandes wisse er, unter welchen Repressalien Handwerksbetriebe in der DDR teilweise hätten leiden müssen. "Ich habe es am eigenen Leib erlebt. Mein Schwiegervater wurde festgenommen, das Haus durchsucht." Und auch heute stehe die Linke in der Wirtschaftspolitik diametral zur CDU.

Keine Koalition mit der AfD

Bommert will sich lieber deutlich nach links abgrenzen. Seine Partei sei in den vergangenen Jahren viel zu sehr in die Mitte gerutscht und habe damit der AfD das Feld frei gemacht. "Unsere Schwäche ist ihre Stärke", sagt Bommert über die Rechtspopulisten. Er wolle die Partei auch nicht stigmatisieren und grundsätzlich jeden Antrag der AfD ablehnen. Tatsächlich stimmte Bommert im Landtag auch für AfD-Anträge. Das machten aber sogar auch die Grünen.

Eine Koalition der CDU mit der AfD unter ihrem Chef Andreas Kalblitz schließt Bommert jedoch aus. Immerhin könne er sich Ingo Senftleben auch als Ministerpräsidenten vorstellen. Den peinlich geratenen Ingo-Song für den Wahlkampf, der seit Kurzem im Internet kursiert, will Bommert dennoch nicht anstimmen. Auf die Frage, ob Bommert unter Senftleben Wirtschaftsminister wird, antwortet der Metallbauer lachend: "Das wäre eine schöne Kombination."

Der 1961 in Hennigsdorf geborene Bommert, der Schlosser lernte und nach der Wende einen Metallbaubetrieb gründete, ist stolz darauf, dass er auch nach acht Jahren im Landtag noch eine berufliche Alternative hat. Er kenne die Probleme des Mittelstandes aus eigener Erfahrung. Es sei aber auch ein großer Aufwand, die Firma neben der Abgeordnetentätigkeit zu führen, selbst wenn er sich nur noch um die Verwaltung kümmere und viele Aufgaben von seinem 32-jährigen Sohn übernommen würden. "Ich stehe jeden Tag um halb 6 auf. Die meisten anderen Abgeordneten schlafen wohl länger", sagt Bommert, der jeden Tag im Betrieb ist. Wohl auch deshalb inszeniert der 58-Jährige, der kürzlich nochmal Vater wurde, gern den Feierabend, zeigt auf Facebook die Zigarre und den Drink, die er sich am Ende des Tages gönnt.

Dabei ist Bommert durchaus unterwegs für seine Partei. Er ist ja auch noch Kremmener Stadtverordneter und Mitglied des Kreistags. Dort gab er den Fraktionsvorsitz aber an Nicole Walter-Mundt ab. Sein Verhältnis zu der Oranienburgerin, die ebenfalls für den Landtag kandidiert, sei gut, versichert Bommert. Verwunden ist offenbar der letztlich gescheiterte Versuch von Nicole Walter-Mundt, Bommert den Kreisvorsitz der Partei abzunehmen. Schon damals hatte sich der Sommerfelder auf seine Unterstützer verlassen können. So schnell lässt sich der Schlosser eben nicht vom Feld schicken.

Offenbar wird er als Konservativer für das Profil der Partei benötigt. "Mein Vater war Fan von Franz-Josef Strauß, das hat mich auch geprägt", sagt Bommert, der nach der Wende dem CSU-Ableger DSU beitrat. 1993 wurde er CDU-Mitglied. In der Ära von Jörg Schönbohm kam Bommert in die Landespolitik. Er habe den damaligen Generalsekretär Sven Petke getroffen, der ihm die Kandidatur nahe legte. Bommert sorgte 2009 dafür, dass Oberhavels CDU wieder in Potsdam vertreten war. Und er holte regelmäßig Gäste aus Berlin und Potsdam in den Wahlkreis. Meist wurde in gemütlicher Runde in Kremmen miteinander gesprochen. Bis heute ist der Spargelhof so etwas wie das Vereinsheim der Christdemokraten. Die Mischung aus zünftigem Essen, kühlem Bier und Politik erinnert an bayerische Bierzelte. Im Spargelhof scheint die CDU-Welt noch in Ordnung zu sein.

Für Bommert hat der Spargelhof wohl auch etwas mit der angesprochenen Verlässlichkeit zu tun. Warum etwas, das gut ist, verändern? Bommert wünscht sich deshalb auch eine Fortsetzung der Kreistagskoalition mit der SPD. "Wir haben super gearbeitet. Neben Potsdam-Mittelmark ist Oberhavel der erfolgreichste Landkreis", sagt Bommert. Es wäre auch schwierig für den Landrat, wenn er sich nicht auf eine Mehrheit im Kreistag verlassen "und wie ein Lumpensammler rumrennen" und um Stimmen werben müsse. Die Opposition hat die aufeinander eingeschworenen Koalitionäre immer wieder als kritiklose Abnicker der  Verwaltungsarbeit bemängelt. Bis heute haben Teile von Linken und Grünen auch nicht verwunden, dass sich die SPD erneut der CDU an den Hals warf. Letztlich war es für die Beteiligten der einfachere Weg.

Was nach der Landtagswahl auf Kreis- und Landesebene passieren könnte, darüber will Frank Bommert nicht spekulieren. Sicher ist jedenfalls, dass er wieder im Landtagsschloss sitzen wird. Auf den Wahlkampf will er trotzdem nicht verzichten, wohl aber auf eigene Wahlplakate mit seinem Konterfei. Bommert macht damit als erster Oberhaveler Politiker das, was andere bislang nur fordern. "Wir verzichten auf die Hohlkammerplakate", sagt er. Das eingesparte Geld will er anders verwenden. Und womöglich gelingt Bommert mit der dazu geplanten Aktion der nächste Coup.

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